Kulinarik

Die Frankfurter Küche ist deftig und ehrlich — wie die meisten hessischen Küchen. Sechs Klassiker sollte man probiert haben.

Apfelwein ("Ebbelwoi")

Das Frankfurter Nationalgetränk. Gegoren aus Speieräpfeln (säurereich, gerbstoffhaltig), trocken, leicht prickelnd. Wird traditionell aus einem Bembel (steinguter Kannen-Krug mit Apfel- oder Blütenmuster) in das Gerippte ausgeschenkt — ein Glas mit Rautenmuster, das den Apfelwein fest in der Hand hält. Pur ("sauer gespritzt" = mit Mineralwasser, "süß gespritzt" = mit Limonade) trinkt man ihn vor allem in Sachsenhausen.

Klassische Apfelweinwirtschaften:

Grüne Soße ("Grie Soß")

Sieben Kräuter: Borretsch, Kerbel, Kresse, Petersilie, Pimpernell, Sauerampfer, Schnittlauch. Klein gehackt mit Quark, Joghurt oder saurer Sahne, Zwiebeln und hartgekochten Eiern. Wird zu Pellkartoffeln und ggf. Tafelspitz oder Eiern gereicht. Frühjahrsspezialität — die Kräuter gibt's frisch ab April auf den Märkten.

Goethe, der bekanntester Frankfurter, war ein Fan der Grünen Soße, was bis heute zur Selbst­bewertung der Stadt gehört.

Handkäs' mit Musik

Sauermilchkäse aus Magermilch, gerundet zur kleinen Scheibe ("Handkäs" — geformt mit der Hand). Mit Musik = mariniert in Essig, Öl, Zwiebeln, Kümmel — die "Musik" entsteht später im Magen. Wird mit Brot und Apfelwein gereicht. Geschmack: kräftig bis sehr kräftig.

Frankfurter Würstchen

Schlanke, gekochte Wurst aus Schweinefleisch — die EU-geschützte Herkunftsbezeichnung "Frankfurter" gilt seit 1997. Im 19. Jahrhundert vom Frankfurter Metzger Johann Georg Lahner nach Wien exportiert, wo sie als "Wiener Würstchen" zurückkehrten. Der Frankfurter besteht auf der heimischen Herkunft.

Frankfurter Kranz

Kuchen-Klassiker: Sandkuchen-Ring mit Buttercreme und Krokant. Symbolisiert eine Krone — Hinweis auf Frankfurts Vergangenheit als Krönungsstadt.

Rippchen mit Kraut

Gepökeltes und sanft gegartes Schweinerippchen mit Sauerkraut und Brot. Klassische Apfelweinwirtschaft-Hauptspeise.

Bethmännchen

Marzipan-Konfekt mit drei Mandeln, traditionell zu Weihnachten. Benannt nach der Frankfurter Bankiersfamilie Bethmann.

Wo man das alles findet

Häufige Fragen

Wie unterscheidet sich Apfelwein vom Cidre?

Frankfurter Apfelwein wird aus säurereichen Speiseäpfeln gegoren, ist trockener und gerbstoffhaltiger als französischer Cidre. Cidre ist tendenziell süßer und kohlensäurehaltiger. Beide gelten als Most-/Cider-Familie, sind aber jeweils eigene Traditionen.

Sind Frankfurter Würstchen gleich Wiener Würstchen?

Geschichtlich ja — der Frankfurter Metzger Johann Georg Lahner brachte die Rezeptur 1805 nach Wien. Heute sind „Frankfurter“ in der EU als Herkunftsbezeichnung geschützt — nur Würstchen aus dem Frankfurter Raum dürfen so heißen. In Österreich heißt das gleiche Produkt „Wiener“.

Was ist eine "Schoppen"?

Ein Schoppen ist die Frankfurter Apfelwein-Standardausgabe — 0,3 Liter im Geripptenglas. In der Apfelweinwirtschaft bestellt man „einen Schoppen“ oder „einen sauer gespritzten Schoppen“ (mit Mineralwasser).